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25.4.2017

Argumente

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Argument 1

"Ihr wollt also die Gymnasien abschaffen. Das ist doch verrückt! Das sind unsere besten Schulen."

  • Nein. Wir wollen die Gymnasien nicht abschaffen, sondern weiterentwickeln - so wie alle anderen Schulen auch. Auf die Kompetenzen, Erfahrungen und Fähigkeiten der Gymnasien kann Eine Schule für Alle nicht verzichten.
  • Alle Schulen können die vielfältigen Potentiale der SchülerInnen nur erschließen, wenn sie die Chance zu individueller Förderung haben. Die Möglichkeit des Abschulens auf angeblich geringerwertige Schulformen verhindert die Entwicklung individueller Förderkonzepte an allen Schulen. So wird verhindert, dass die großen pädagogischen Potentiale heterogener Schülergruppen zum Tragen kommen.
  • Die Gymnasien werden im Zuge ihrer Weiterentwicklung zu "Schulen für alle", die in der Lage sind, ihre anspruchsvolle Bildung auch den benachteiligten und weniger privilegierten Kindern zukommen zu lassen.
  • Das einzige, was sie verlieren werden, ist ihr elitärer Status als die "oberen" Schulen, die andere Schulen "unter sich" haben. Und sie verlieren die Möglichkeit, Schüler auf andere Schularten abzuschulen, wenn sie nicht mitkommen. Stattdessen übernehmen sie Verantwortung für jede einzelne Schüler/in während der gesamten Schulzeit.

Argument 2

"Ihr wollt also den Elternwillen abschaffen? Was fällt Euch ein!"?

Nein, wollen wir nicht. Im Gegenteil! Was ist denn der Wille der Eltern? Eine abstrakte Wahlmöglichkeit zu haben zwischen möglichst vielen Schulformen? Wenn dem so wäre, sollten wir konsequent die Grundschulen auflösen und wieder Volks-Grundschulen, Real-Grundschulen und höhere Grundschulen einführen, und am besten noch ein paar Schulformen dazu: 5, 7, oder warum nicht 11?

  • Diese vermeintliche Wahlfreiheit ist für viele Eltern in Wirklichkeit doch ein Entscheidungszwang zwischen schlechten Alternativen, den sie gar nicht wollen. Was Eltern wollen, ist viel konkreter: die beste Bildung, die besten Chancen für ihre Kinder! Genau das wollen wir auch; aber genau das wird den meisten Kindern im derzeitigen Schulsystem vorenthalten. Nur mit einer Schule für alle Kinder können wir die Bedingungen schaffen, dass wirklich alle Kinder die beste Bildung und die besten Chancen bekommen - auch die, die zur Zeit noch auf dem Gymnasium lernen.
  • Mag sein, dass es manche Eltern gibt, die die Chancen für ihre Kinder erhöhen wollen, indem sie davon profitieren, dass sie anderen Kindern vorenthalten werden. Da sind wir ganz klar: diese Privilegien, die nicht auf Leistung beruhen, sondern nur auf sozialem Status, die wollen wir abschaffen.
  • Bei Einer Schule für alle haben die Eltern nach wie vor Wahlfreiheit, nä¤mlich zwischen den einzelnen Schulen. Die Schulen können durchaus unterschiedliche Profile haben.
  • Der Elternwille hört im jetzigen System (und auch im geplanten "Zwei-Säulen-Modell"?) spätestens nach Klasse 6 auf. Dann entscheidet nämlich die Schule, und nicht die Eltern, wo ihr Kind lernt.

Argument 3

"Wie wollt Ihr das denn machen, die Schule für Alle einführen? Wollt Ihr das den Eltern und den Schulen von oben aufdrücken?"

  • Nein. Wir wollen einen schrittweisen Umbau-und Entwicklungsprozess, an dem alle beteiligt werden: Die Eltern, die Schüler/innen, die Lehrerinnen und Lehrer, die Akteure in den Stadtteilen.
  • Der konkrete Entwicklungsprozess wird in den Stadtteilen zwischen den Schulen gestaltet. Das Ziel ist klar, aber die Wege und Ãœbergangsstadien dorthin können durchaus unterschiedlich sein.
  • Durch konkrete Schulentwicklung werden in den Stadtteilen die Schulen schrittweise zusammengeführt; nicht zu Riesenzentren, sondern zu wohnortnahen Schulen.
  • Unser Zeitplan sieht einen schrittweisen Prozess des Aufwachsens der Gemeinschaftsschule vor. Niemand wird umgeschult, erst 2020 ist der Ãœbergang abgeschlossen.
  • Es wird aber auch niemand das Ziel grundsätzlich blockieren können, denn die demokratische Grundsatzentscheidung ist mit dem Volksentscheid getroffen.  

Argument 4

"Warum redet Ihr Ã¼ber Strukturen? Das bringt doch nichts. Wir brauchen besseren Unterricht, keine Strukturdebatten!"

  • Die Strukturdebatte haben wir sowieso: Die CDU/GAL Regierung plant eine neue Schulstruktur.
  • Wir wollen aber nicht nur eine Strukturveränderung! Wir machen den angeblichen Gegensatz von Strukturreform und Verbesserung des Unterrichts nicht mit - denn beides gehört zusammen! Die Möglichkeit des Abschulens verhindert pädagogische Förderkonzepte!
  • Es stimmt: Eine Strukturveränderung, eine Gemeinschaftsschule allein macht noch keinen guten Unterricht. Aber umgekehrt gilt auch: Eine wirklich gute Schule ist nur ohne die Aufspaltung in Schulformen zu haben! Dazu Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm: "Einen weitestgehenden Erfolg wüde man erzielen, wenn man die frühe Aufteilung auf verschiedene Schulformen ganz aufheben würde. In den bestehenden Strukturen ist allen Verbesserungsmöglichkeiten eine Grenze gesetzt."
  • Wir wollen in der "Schule für Alle" einen neuen Unterricht, der das große Anregungspotential heterogener Lerngruppen nutzt und jedes Kind individuell angemessen fördert. Die Lehrer/innen werden zu Lernhelfer/innen, und die Schülerlernen mit-und voneinander.

Argument 5

"Eine 'Einheitsschule'? Das ist doch Gleichmacherei! Die Menschen sind doch von Natur aus verschieden, das müsst Ihr endlich mal anerkennen!"

  • Wir wollen keine "Einheitsschule" im Sinne von Gleichmacherei. Im Gegenteil: Wir wollen eine Schule, die der Vielfältigkeit und Einmaligkeit aller Menschen gerechtwird, mit einem modernen Unterricht, der auf die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Kindes eingeht. Wir wollen keine Gleichmacherei, sondern die gleiche Chance auf Individualität!
  • Nicht wir betreiben Gleichmacherei, sondern das gegliederte Schulsystem. Wenn man glaubt, man könne die Kinder alle passgenau in zwei, drei oder fünf Schubladen sortieren - das ist Gleichmacherei! Wir wollen den Kindern im Gegenteil die Chance geben, sich wirklich individuell entfalten zu können - aber eben allen die gleiche Chance!
  • Die Erfolge der Grundschulen geben uns Recht: Dort gelingt es immer noch am Besten, Kinder mit völlig unterschiedlichen Lernvoraussetzungen so zu fördern, dass alle etwas davon haben. Wer spricht bei Grundschulen von "Einheitsschulen" oder Gleichmacherei?

Argument 6

"Alle Kinder auf einer Schule? Da kann doch nur Mittelma߸ bei rauskommen. Das Niveau sinkt, die guten Kinder leiden, denn sie werden nichtangemessen gefördert."

  • Nein, ganz im Gegenteil. Wir wollen ja nicht nur einfach alle zusammenwerfen, sondern eine neue Unterrichts-und Lernkultur etablieren, in der alle Kinder individuell gefördert und gefordert werden.
  • Bei allen Kindern werden die vorhandenen Stärken gefördert, und die Schwächen möglichst ausgeglichen.
  • Auch die besonders begabten Kinder bekommen eine ihnen angemessene Förderung. Und sie bekommen die Chance, Kompetenzen zu erwerben, die sie sonst nicht lernen würden - z. B. die soziale Kompetenz, langsameren Schüler/innen beim Lernen zu helfen, anstatt auf sie herabzuschauen.
  • Dabei lernen alle mit-und voneinander, und alle insgesamt mehr und besser.
    Die Schule für alle wird deshalb insgesamt nicht Mittelmaß, sondern Höchstleistung produzieren.

Argument 7

"Dass stärkere Schüler von den Schwachen in einer heterogenen Lerngruppe profitieren, ist nicht wissenschaftlich belegt. Das ist doch blo߸ eine romantische Behauptung."

  • De facto haben wir in allen Schulformen schon jetzt heterogene Lerngruppen, auch auf den Gymnasien. Die Vorstellung, man könne Ã¼berhaupt homogene Klassen erreichen, ist schon längst eine Illusion - auch im gegliederten Schulwesen.
  • Es ist eindeutig belegt, dass auch in vermeintlich homogenen Lerngruppen keine besseren Ergebnisse erzielt werden, als in heterogenen. Dies ist eine typisch deutsche Lebenslüge.
  • Wir müssen dazu kommen, dass jede Schule eine gute Schule ist. Das erreichen wir durch moderne Unterrichtsformen, die die Heterogenität aller SchülerInnen wertschätzen und bewusst nutzen und nicht durch Abschulen reduzieren wollen. Und wir brauchen Rahmenbedingungen, die den Lehrer/innen das ermöglichen - dann profitieren alle davon!
  • Es geht nicht um Sozialromantik, sondern um Erfahrungen. Wenn integrierte Schulen nicht funktionieren würden, müssten Finnland, Schweden usw. ja schlechter abschneiden als Deutschland. Das Gegenteil ist der Fall: Und selbst bei den Spitzenleistungen hinkt Deutschland mit seinem gegliederten Schulwesen hinterher.

Argument 8

"Ein so anspruchsvolles Konzept mit individueller Förderung ist doch mit den heutigen Lehrern gar nicht zu machen. Das können die doch gar nicht."

  • An vielen Schulen - nicht nur an Grund-und Gesamtschulen - wird heute schon sehr ambitioniert in diese Richtung gearbeitet.
  • Viele der Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich dabei sehr, auch wenn es ihnen einen erhöhten Einsatz abverlangt.
  • Aber es stimmt: Für den anspruchsvollen Unterricht, den wir wollen, müssen die Lehrerinnen und Lehrer auch angemessen aus-und fortgebildet werden. Wir brauchen eine entsprechende Reform der Lehrer/innen-Ausbildung.
  • Für guten Unterricht brauchen wir insgesamt mehr Lehrkräfte in den Schulen, so dass zwei oder drei gleichzeitig eine Klasse oder Lerngruppe betreuen können. Dazu gehören auch Sozialpädagog/innen und Erzieher/innen.
  • In ein paar Jahren werden viele neue Lehrer/innen in die Schulen kommen, da dann viele jetzt Aktive in den Ruhestand gehen. Damit wird viel neuer Schwung in die Schulen kommen, den wir für die Schulreform nutzen müssen.

Argument 9

"Bessere Förderung, individuelle Betreuung: Das kostet doch alles viel Geld. Können wir uns das überhaupt leisten?"

  • Ja. Wir müssen es uns leisten, denn es ist die wichtigste Investition in die Zukunft unserer Kinder - und damit auch in die Zukunft unserer Gesellschaft.
  • Die meisten Industrieländer geben - gemessen an ihrem Sozialprodukt - mehr Geld für Bildung aus als wir, die erfolgreichen sogar viel mehr.
  • Heute können sich nur die Wohlhabenden gute Bildung leisten: Für private Nachhilfe, für teure Bücher, oder gleich für Privatschulen. Dadurch wird die Ungleichheit der Chancen vererbt.
  • Deshalb brauchen wir ein gutes und ausreichend finanziertes Ã¶ffentliches Schulsystem - damit alle Kinder die gleiche Chance auf gute Bildung bekommen.
  • Der gesellschaftliche Reichtum in Deutschland ist groß genug, um gute Bildung für alle zu finanzieren. Wir brauchen eine gerechte Steuerpolitik, um ihn zu nutzen.

Argument 10

"Durch die Einführung einer 'Einheitsschule' werden die Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder zunehmend auf Privatschulen geben."

  • Den Trend zu Privatschulen gibt es jetzt schon, aus verschiedenen Gründen.
  • Viele Eltern leisten sich deshalb Privatschulen, weil sie mit den Leistungen der staatlichen unzufrieden sind. Sie wollen ihren Kindern die bestmögliche Bildung verschaffen. Das ist absolut verständlich.
  • Aber die richtige Antwort darauf ist nicht Ã¤ngstlicher Reformverzicht, sondern die Ã¶ffentlichen Schulen so gut wie möglich zu machen - und zwar für alle Kinder! Dann sind und bleiben sie attraktiv. Wir wollen, dass jede Schule eine gute Schule ist - dann gibt es keinen Grund mehr, sein Kind auf eine Privatschule zu schicken.
  • Manche Eltern aus den "besseren Kreisen" wollen bewusst die Abgrenzung zu den "Schmuddelkindern", sie wollen Elite sein und bleiben. Darauf Rücksicht zu nehmen, hieße vor der sozialen Ungerechtigkeit zu kapitulieren. Das wollen wir nicht.

Argument 11

"Das Primarschulmodell der CDU/GAL Regierung macht doch schon Schritte hin zu längerem gemeinsamem Lernen. Lasst doch diese Reform erst mal Realität werden, statt gleich noch mehr zu fordern!"

  • Richtig, das Primarschulmodell bietet Chancen zu längerem gemeinsamem Lernen, hat aber als Kompromiss zweier Parteien, die unterschiedliche Schulen wollen, entscheidende Schwachstellen. Die Trennung der Kinder nach angeblichen Begabungstypen wird nur um 2 Jahre verschoben. Dann erfolgt die Aufteilung auf Stadtteilschulen und Gymnasien. Das reicht nicht!
  • Die Wahl verschiedener Primarschulmodelle kann dazu führen, dass die Selektion schon auf die 1. Klasse vorverlegt wird und wir Primarschulen 1. und 2. Klasse bekommen.
  • Wir wollen einen Konsens mit allen, die die beste Bildung für ihre Kinder wollen, ohne dass dabei andere benachteiligt werden. Das ist die große Mehrheit der Eltern. Die meisten wünschen sich die beste Bildung für ihr Kind, aber zugleich Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit.
  • Viele Probleme des CDU/GAL Modells resultieren daraus, dass nur der halbe Schritt gegangen wird: Eine Schule für Alle ist der konsequente Weg!

Argument 12

"Eine Gemeinschaftsschule ist in Deutschland völlig utopisch, dafür bekommt ihr nie eine Mehrheit!"

Doch!